Höhere Sozialbeiträge für Gutverdiener

So titelt rp-online.
Hab ich da was nicht mitgekriegt? Gibt es jetzt einen „Reichen-Aufschlag“ auf die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung?

Natürlich nicht. Der Beitrag bleibt bei 19,9 % vom Bruttolohn, gezahlt je zur Hälfte von Arbeitnehmer & Arbeitgeber.

Was sich ändern soll ist die „Beitragsbemessungsgrenze“ – sie soll steigen von 5300,- auf 5400,- Euro (West) bzw. von 4500,- auf  4550,- Euro (Ost)
Sind die Einnahmen höher als die Beitragsbemessungsgrenze, wird zur Beitragsberechnung nur die Beitragsbemessungsgrenze herangezogen.
Konkret:die Masse der Durchschnittsverdiener (deutlich weniger als 5300,- Euro brutto monatlich) müssen 9,95 % ihres Einkommens an die Rentenversicherung abführen. Wenn ihr Einkommen steigt, ist die Erhöhung sozialversicherungspflichtig – bei 10,- Euro mehr gehen davon sofort 95 Cent an die Rentenkasse.

Wer monatlich 7000 ,- Euro verdient, beteiligt sich zur Zeit mit  7,53 % seines Einkommens an der Solidargemeinschaft. Ab 2009 würden es dann 7,67 % sein. Eine Steigerung von weniger als 10,- Euro im Monat. Erhöht sich das Gehalt hier um 10,- (oder 100,-) Euro muss der Gutverdiener von dieser Erhöhung nichts an die Rentenversicherung abführen (und selbstverständlich auch nichts an die Kranken-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung).
Es ist also nicht so, das die Beiträge steigen würden, sondern nur der Umfang, in dem sich Beschäftigte mit hohen Einkommen aus der Solidargemeinschaft verabschieden wird etwas kleiner.
Für Selbstständige, Freiberufler und Beamten gelten wieder andere Regelungen.

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2 Kommentare

  1. bravo56 sagt:

    Natürlich steigt für die Sehrgutverdiener der Beitrag an die Rentenversicherung. Und zwar um genau den Betrag den du in deinem Beispiel genannt hast (hier ca. 10 €/Monat). Das wird dem Sehrgutverdiener wahrscheinlich nicht so weh tun, dass wir nun Mitleid mit ihm haben müssten.
    Viel interessanter ist die Tatsache, dass Personen, die oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdienen, prozentual immer weniger von ihrem Einkommen für die Sozialversicherung ausgeben müssen, je mehr sie verdienen. Auch das klingt in deinem Beispiel an.
    Was jedoch an der Meldung der RP schlimm ist, ist die Art und Weise, wie sie die Tatsachen darstellt. Zwar nicht falsch, aber sie erweckt den Eindruck, dass die Sehrgutverdiener sich in einem höheren Maße an den Sozialversicherungen beteiligen müssten, als es tatsächlich der Fall ist. Besonders schön ist das zu sehen, wenn die RP von einer Mehrbelastung von 23,20 € schreibt und dann im Nachsatz erklärt, dass der Betrag zur Hälfte auch vom Arbeitgeber bezahlt wird. Der Nachsatz wird aber sicher nicht so im Gedächtnis bleiben, wie der vorher genannte Betrag von 23,20 €.
    Hier sieht man also wieder mal ein Beispiel für die verdrehte Darstellung der Medien.

  2. Gunnar Böltes sagt:

    Das, was Du im letztem Satz schreibst zu verdeutlichen, war eine Absicht des Artikels. Denn schon die Überschrift ist irreführend – und wie Du richtigerweise schreibst, setzt die RP mit ihrem Rechenbeispiel sogar noch einen drauf.

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