Hauptsache, die Akte stimmt!

Die Qualität der Pflege in Heimen ist zur Zeit das meist diskutierte Thema in Bremerhaven und umzu.

Den Stein ins Rollen gebracht hat eine Strafanzeige. Der Geschäftsführer des Bremerhavener Betreuungsvereins, Herr Göers hat Anzeige wegen „Körperverletzung Schutzbefohlener“ gestellt, nach dem die Bewohnerin eines Heimes ins Krankenhaus eingeliefert und er von der Klinik über den Zustand der 53 jährigen Frau informiert wurde.

Nach weiteren Berichten und Leserbriefen, hat die Nordsee-Zeitung am Dienstag einen Runden Tisch mit Experten durchgeführt. Die Ergebnisse sind heute in der Nordsee-Zeitung dokumentiert.
Die Pflegeheime werden unter anderem von der Heimaufsicht und dem medizinischen Dienst der Krankenkassen überwacht. Die Frage, die ich mir nach dem „Experten-Gespräch“ der Nordsee-Zeitung stelle ist, wer kontrolliert was?

Der Vertreter der Heimaufsicht, Herr Wollni,  erklärt pauschal, dass weder er noch seine Kollegen die fachliche Kompetenz haben, die Pflege zu beurteilen. So wird nur die Dokumentation bewertet – mit den betroffen Menschen wird nicht einmal gesprochen. Für besorgte Angehörige bietet er eine (Bremer) Telefonnummer als Kontaktmöglichkeit.

Auch Herr Schneider als Vertreter der Krankenkassen reichen die Dokumente des Heimes für eine „neutrale“ (sic!) Bewertung. Diese seinen 100% manipulationssicher. Das halte ich für eine gewagte These: denn einen Becher mit Wasser auf den Tisch zu stellen und die Menge im Protokoll aufzuschreiben dauert wenige Sekunden. Einem Menschen der den Becher nicht alleine nimmt, eventuell Schluckstörungen hat die dokumentierte Menge zu verabreichen kann schon leicht eine viertel Stunde dauern. Kann Herr Schneider sicherstellen, dass die dokumentierte Trinkmenge tatsächlich getrunken wurde?

Wenn selbst in diesem öffentlichen Fall von Seiten des medizinischen Dienstes keine Gespräche mit den Bezugspersonen der Frau und dem behandelnden Krankenhaus stattfinden, (und so verstehe ich Herren Schneider) wäre dass ein weiter Skandal.

Die Herangehensweise der Kontrollinstanzen führt dazu, dass die Dokumentation noch wichtiger wird. Erst die Akte – dann der Mensch.

Das in einem solchen Fall niemand die Verantwortung übernimmt und stattdessen auf „die Umstände“ verweist ist (leider) nicht ungewöhnlich.

Die Vorgänge, die Dank des couragierten Verhaltens von Herrn Göers nun öffentlich sind, zeigen deutlich: wir brauchen mehr, wir brauchen qualifiziertes Personal in der Pflege. Und wir brauchen Kontrollen, die fachlich beurteilen und unabhängig bewerten und beraten können.

Im Mittelpunkt muss der Mensch stehen.

(Quelle Printausgaben der Nordsee-Zeitung)

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