Sigmar Gabriel und Andrea Nahles in Loxstedt

Gabriel und Nahles diskutieren im Landkreis Cuxhaven

Heute Samstag  bestand für alle Interessierten im Raum Bremerhaven-Cuxhaven die Möglichkeit, sich ein Bild von den Kandidatenduo Sigmar Gabriel und Andrea Nahles zu machen.
Im Vorfeld des Parteitages, bei dem er sich um den Vorsitz und sie sich als Generalsekretär bewirbt, machen die beiden eine Tour durch die Partei.
Die meisten der Veranstaltungen waren nur für SPD-Mitglieder. Unsere war selbstverständlich öffentlich.

Rund 300Menschen sind zur besten Bundesligazeit nach Nesse gekommen, um erstens zu hören wie sich die beiden präsentieren und ihnen zweitens einiges mit auf den Weg zu geben.

Sie haben einen gut aufgelegten, rhetorisch starken und menschlich sympathischen Sigmar Gabriel erlebt.
Er hat zu beginn zunächst Position gegen die schwarz-gelbe Regierung bezogen und am Beispiel des „schneidigen Spalters Rösler“ die zu erwartende Klientelpolitik gebrandmarkt.

Dann ging es ans Eingemachte. Klare Worte zum Zustand der SPD, die in den vergangenen zehn Jahren 10.000.000 Wähler verloren hat. Die meisten von ihnen sind nicht mehr zur Wahl gegangen. Rund 1.100.000 von ihnen haben DIE LINKE gewählt, 1.400.000 CDU oder FDP.
Wenn die Partei so viele Wähler in verschiedene Richtungen verliert, dann ist das Bild in der Öffentlichkeit „unscharf“.
Gabriel hat daran erinnert, dass die Agenda 2010 zwar den Spaltungsprozess der Partei beschleunigt hat, die Reihe der Wahlniederlagen aber schon deutlich früher begonnen hat.
Von den Maßnahmen, die zur Agenda gehören ist bei den meisten nur Hartz IV im Gedächtnis geblieben. Und davon auch nur der bedrohliche Teil: die reale Gefahr nach jahrelanger Arbeit und einem Jahr Arbeitslosengeld einen sozialen Absturz ins bodenlose zu erleben.
Sigmar Gabriel hat als Anspruch für die SPD formuliert: jeder muss die Gelegenheit zum Aufstieg haben und vor dem Absturz geschützt werden. Er hat dazu aufgefordert die Regierungszeit Revue passieren zu lassen. Was ist gut gewesen? Was war gut, aber schlecht vermittelt? Was war schlecht?
Es geht darum die soziale Kompetenz wieder zu erlangen, die die Wähler bei der SPD offensichtlich nicht mehr sehen.
Zur Volkspartei gehört zusätzlich solide Wirtschaftspolitik und eine zukunftsorientierte ökologische Politik. (Wenn er nicht in den letzten Jahren so missbraucht worden wäre, hier hätte der Begriff der „Nachhaltigkeit“ gepasst.)

Auch zum Innenleben der Partei hat sich Sigmar klar positioniert: es muss mehr Diskutiert, die Basis mehr in die Willensbildung einbezogen werden. Nur wer sicher ist, dass seine Argumente gehört und ernst genommen werden, wird eine Entscheidung auch dann mittragen, wenn er die Abstimmung verloren hat.

Das war auch die Kerbe, in die Andrea Nahles geschlagen hat. Die habe ich allerdings schon deutlich frischer und besser erlebt.

In der Diskussion wurde deutlich, dass Sigmar Gabriel es ernst meint. Er  hat die Auseinandersetzung nicht gescheut, konzentriert zugehört und präzise geantwortet. Er hat dabei den richtigen Ton getroffen, Argumente geboten, Stellung bezogen. Er war selbstkritisch – ohne der Versammlung nach dem Mund zu reden und hat weitere Debatten angeboten, bei den Themen, bei denen sich Bedarf zeigte.

Sigmar Gabriel hat die hohen Erwartungen an ihn an diesem Nachmittag nicht nur erfüllt, er hat sie übertroffen. Damit hat zugleich die Ansprüche, die an ihn als Vorsitzenden gestellt werden nach oben geschraubt.

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