Weihnachten im Schuhkarton?

Die Zeitungen werden dicker (ohne den redaktionellen Teil zu erweitern) , die günstigen Kerzen für den Adventskranz sind ausverkauft, jede menge „Best of“ Alben erscheinen.
Weihnachten steht vor der Tür.

Traditionell auch die Zeit, in der die Spendenbereitschaft in Deutschland steigt.
Auch in Zeiten der Krise werden sich viele Menschen ihrer privilegierten Situation bewusst und haben das Bedürfnis, anderen zu Helfen.
Das wissen selbstverständlich auch diejenigen, die Spenden einsammeln…

Heute ist offenbar wieder der mediale Auftakt der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“
Eine simple Idee, geschicktes Marketing: besonders Familien werden aufgefordert, mit in einem Schuhkarton verpackten Geschenken Kindern eine Freude zu machen, die sonst zu Weihnachten nichts bekommen. Und wer möchte schon zu Weihnachten traurige Kinderaugen?

Zunächst das Positive: „Weihnachten im Schuhkarton“ ist eine aktive und konkrete Auseinandersetzung damit, dass der Wohlstand auf der Erde ungerecht verteilt ist. Wenn schon Kinder drüber nachdenken und etwas dagegen tun möchten ist das gut.
Mein Problem mit „Weihnachten im Schuhkarton„: diese Art Aktion ändern nichts an der Ursache, lindert nicht einmal die wichtigsten Symptome und wird als christliche Missionsveranstaltung durchgeführt.

Organisiert wird „Weihnachten im Schuhkarton“ von „Geschenke der Hoffnung e.V.“, der den Eindruck erweckt, er sei eine selbständige Organisation, die zwar „auf ein Netzwerk internationaler Partner zurückgreift“, ansonsten aber unabhängig ist. Die Satzung liest sich anders. So sind Absicht und Ziel der Arbeit, nämlich die „Verbreitung des Wortes Gottes und die Förderung des christlichen Glaubens auf der Basis des Evangeliums“ voranzutreiben, sehr stark geprägt von Samaritan’s Purse (http://www.samaritanspurse.org/) und der Billy Graham Evangelistic Association (http://www.bgea.org/). Wenn darüber hinaus von den maximal 15 Mitgliedern, die der Verein haben darf, ein Mitglied (und auch ein Vorstand (§ 7)) von  Samaritan’s Purse oder der Billy Graham Evangelistic Association USA vorgeschlagen werden muss (§ 4) und zudem alle Mitglieder sich auf die Glaubensaussagen von Samaritan’s Purse verpflichten müssen (§ 4), dann wird verständlich, warum die US-amerikanischen Seiten den Verein als deutsches Büro auflisten: „Geschenke der Hoffnung, a ministry project of the Billy Graham Evangelistic Association and Samaritan’s Purse“. Im Verbund mit anderen Büros von  Samaritan’s Purse repräsentiert Geschenke der Hoffnung e.V. das amerikanische Hilfswerk in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Bei der Verteilung der Geschenke wird mittlerweile darauf verzichtet, die Missionschrift direkt in die gepackten Geschenkkartons zu legen. Stattdessen wird sie zusätzlich Angeboten. Ein bunter Comic, den kaum ein Kind liegen lassen wird. Wer wissen möchte was den Kindern mitgegeben wird, kann das hier nachlesen.

Die humanitäre Bedeutung der Aktion strebt gegen Null. Nicht ohne Grund wird vermieden von einer Hilfsaktion zu sprechen…

Wer in diesem Sinne Kinder beschenken möchte, kann das gerne tun.
Mein Eindruck ist, dass viele zu wenig über den Hintergrund von „Weihnachten im Schuhkarton“ wissen und sich so zum Teil Instrumentalisieren lassen. Für eine Weltanschauung die sie persönlich nicht teilen.

Wer humanitär spenden möchte, kann aus zahlreichen Organisationen wählen. Am besten ist eine feste monatliche Spende einzurichten, statt einmal im Jahr oder bei besonderen Katastrophen das Portemonnaie zu öffnen.  Ich persönlich empfehle gern die Ärzte ohne Grenzen

Wer die Ursachen bekämpfen möchte, kann selbst aktiv werden. Das ist ein dickes Brett, das zu bohren lohnt.

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