Falschabrechnungen der Krankenhäuser kosten Milliarden!

Die PR-Maschine läuft:

Jede zweite Krankenhausrechnung falsch„, „Krankenkassen bemägeln falsche Klinikabrechnung“, „Milliardenschaden durch falsche Klinkabrechnungen„, „Kassen prangern fehlerhafte Klinik-Abrechnungen an“, „Schaden durch faule Rechnungen“

Das sind die Schlagzeilen zum Thema – heute auf vielen Startseiten der großen Online-Portale, in den Nachrichtensendungen und vermutlich morgen in allen Tageszeitungen. Überschriften, die den Eindruck erwecken, „die“ Krankenhäuser wären nicht in der Lage  vernünftige Rechnungen zu erstellen. Einige Artikel sprechen vom Betrug.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen spielt mit Zahlen und rechnet eine virtuelle Schadensumme hoch.

Einige Zahlen werden genannt: 11,2% der Rechnungen wurden genauer geprüft und bei 45,6% dieser Rechnungen wurden Änderungen (im Sinne der Krankenkassen) durchgeführt.
Selbstverständlich prüfen die Kassen 100% der Rechnungen (die nur elektronisch übermittelt werden) mit spezieller Prüfsoftware. Nur bei auffälligen (dazu unten mehr) Rechnungen wird der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) eingeschaltet – eben in den 11,2%. Statt bei „jeder zweiten“ kommt mann so auf 5,1 % zu ändernden Rechnungen.

Unterstellt,  die von der Kasse genannten 1,5 Milliarden Euro Schaden wären richtig berechnet – bei rund 60 Milliarden Euro, die insgesamt von den GKV für die Behandlungen in Krankhäusern aufgewandt wurden bleiben 2,5% der Rechnungssumme, die die Kassen kürzen.

Warum rechnen Krankenhäuser falsch ab?

Die ZEIT schreibt dazu: „Mal wurde stationär statt ambulant operiert, mal wurden die Patienten länger als nötig in der Klinik behalten.“

Es geht um die Bewertung der durchgeführten Behandlung. Der Gutachter des MDK prüft Wochen nach der Entlassung, am Schreibtisch, ohne den Patienten je gesehen zu haben, ob die Behandlung theoretisch nicht auch ambulant oder innerhalb zweier Kalendertage hätte erfolgen können. Bei operativen Eingriffen hebt die Prüfung ausschließlich auf die durchgeführte Prozedur ab. Wenn die klein genug ist, gilt das als ambulante Leistung. Was z.B. an weitergehender Diagnostik bei einer Krebserkrankung nötig ist wird nicht berücksichtigt. Fachübergreifende Konferenzen und psychologische Begleitung sowieso nicht.

Und es natürlich gilt: was nicht lückenlos dokumentiert ist, hat nicht stattgefunden.

Keine Frage: in jedem Krankenhaus können Prozesse optimiert, Wartezeiten verkürzt und überflüssige Untersuchungen vermieden werden. Sicher gibt es auch wirklich falsche Abrechnungen. Und sogar Betrug kommt vereinzelt vor.

Dennoch: die Schlagzeilen der GKV sind sachlich falsch. Das ist Stimmungsmache, Lobbyarbeit – politisch motiviert.
Im Gesundheitswesen haben wir in erster Linie ein Einnahme- und daraus folgend ein Verteilungsproblem.

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